Vectoring, zur DSL Beschleunigung

Vectoring

Während der Bedarf an schnellen Internetleitungen wächst, kommen die Telekommunikationsanbieter nicht mit dem Ausbau der modernen Glasfaserkabelnetze hinterher. Denn diese sind teuer und müssten flächendeckend das bestehende Kupferkabelnetz der alten Telefonleitungen ersetzen. Das ist insbesondere auf dem Land eine Mammutaufgabe, da dort weniger Kunden und damit weniger Einnahmen zu erwarten sind. Daher versuchen verschiedene Anbieter, allen voran die Telekom, mehr Leistung aus dem Kupferkabelnetz herauszukitzeln. Möglich ist dies mit Vectoring. Dabei handelt es sich nicht um eine echte DSL-Alternative, sondern um eine Technik, die bestehende DSL-Leitungen beschleunigt.

Was bedeutet Vectoring?

Vectoring ist eine Technik, die den Leistungsabfall beim Übertragen von Daten verringert. Das bedeutet, durch die Beschleunigung bestehender Leitungen wird eine größere Bandbreite geschaffen. Denn mit zunehmender Länge einer Kupferleitung kommt es immer mehr zum sogenannten Übersprechen. Das heißt, Störgeräusche verhindern den sauberen Transport von Datenpaketen (auch Sprache wird als Datenpaket über die Leitung geschickt) über eine längere Leitung. Die Folge ist, dass nur noch wenige Datenpakete gleichzeitig durch die Leitung geschickt werden können. Die mögliche Bandbreite sinkt deutlich.

Was bedeutet Vectoring?

Abhängig ist die Bandbreite dabei von der Entfernung des Hausanschlusses zum letzten Verteilerkasten. Gerade in ländlichen Bereichen ist diese Entfernung häufig sehr groß, sodass die maximale Bandbreite teilweise nur bei 1 MBit/s liegt.

Vectoring setzt beim Übersprechen an. Die Technik ist eine Art Filter, der Störgeräusche entfernt. Dadurch ist es über die gleiche Leitung möglich, mehr Datenpakte gleichzeitig zu versenden. Die Bandbreite steigt. Auf diese Weise lassen sich die maximalen Datenraten des DSL-Anschlusses auf 50 MBit/s bzw. 100 MBit/s verbessern. Voraussetzung ist auch hier eine kurze Strecke zum Verteilerkasten. Sonst sinkt trotz Vectoring mit zunehmender Entfernung die Bandbreite.

Die Telekom experimentiert (Stand: Anfang 2016) bereits mit Vectoring-Techniken, die einen zusätzlichen Bandbreitengewinn bedeuten könnten. Möglicherweise könnten damit zukünftig Bandbreiten von ca. 10 GBit/s erzielt werden.

Vorteile und Nachteile von Vectoring

Vectoring gilt als Alternative zu Kabel-DSL bzw. zu Glasfaseranschlüssen. Der Vorteil für Kunden und Telekom ist die einfache Implementierung der Technik. Diese erfordert keinen Ausbau und ermöglicht so einen relativ günstigen und deutlichen Bandbreitengewinn auf bestehenden Leitungen.

Der Nachteil von Vectoring ist jedoch, dass die Telekom dadurch den dringend erforderlichen flächendeckenden Ausbau von leistungsstarken Glasfaserkabelnetzen verzögert. Solange Vectoring eine günstige Alternative ist, wird das Leitungsnetz nicht modernisiert. Außerdem erhalten damit auch abgelegene Regionen kein schnelles Internet. Zwar kann die bestehende Leitung beschleunigt werden, jedoch sind die erzielten Zugewinne bei großen Entfernungen zum Verteilerkasten gering. So bleiben in "abgehängten Regionen" wegen fehlender Verteilerkästen auch die schon jetzt möglichen 50 MBit/s bzw. 100 MBit/s ein Wunschdenken. Hier ist Vectoring nur eine Verbesserung, keine echte Alternative zu bestehenden DSL-Leitungen.