DVB-T Internet als DSL-Alternative

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Für die Mehrheit der deutschen Internetnutzer sind das Abspielen von Videos, der Download von MP3-Dateien oder aufwendige Browserspiele selbstverständlich. Und selbstverständlich schnell. Dank DSL und der dabei zur Verfügung stehenden Bandbreite läuft die Datenübertragung rasend schnell. Mehrere Millionen Internetnutzer in ländlichen Gebieten müssen sich aber nach wie vor mit Analog- und ISDN-Anschlüssen begnügen. Eine mögliche Alternative könnte die Übertragung per DVB-T sein. Diese Technik verspricht eine Bandbreite von mindestens 18 Mbit/s.

Was ist DVB-T?

DVB-T heißt "Digital Video Broadcasting - Terrestrial", worunter das Senden digitaler Ton-, Bild- und Datensignale zu verstehen ist. Bekannt ist DVB-T als "Überallfernsehen", mehr Informationen sind hier zu finden: https://www.dvbtstick.de/was-ist-dvb-t. Denn seit einigen Jahren hat DVB-T das analoge Antennenfernsehen abgelöst. Bis auf ganz wenige Ausnahmen werden alle Regionen mit dem digitalen Rundfunk versorgt. Der Vorteil ist eine deutlich bessere Qualität und ein größerer Frequenzbereich, sodass mehr Sender per Setbox zu empfangen sind als vorher per Hausantenne. Die Auswahl der Programme entspricht in Ballungszentren zum großen Teil sogar der des Kabelfernsehens. Doch diese Technik könnte bald auch flächendeckend als DSL-Alternative genutzt werden. Vorteil: Die jetzigen weißen Flecken auf der Landkarte der DSL-Versorgung wären getilgt.

FOKUS, das Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme, hatte bereits vor zwei Jahren in einem Pilotprojekt die Übertragung von Internetdaten über DVB-T als DSL-Alternative laufen. Dabei wurden mehrere Haushalte versorgt, die nur über eine Light-Version von DSL mit 384 Kbit/sek verfügten. In den Tests erreichte die DSL-Alternative DVB-T das 50-fache der Geschwindigkeit: 18 Mbit/s.

Umsetzung leider nicht möglich

Doch nach den erfolgreichen Tests arbeiten die Forscher oder die Projektpartner wie Deutsche Telekom, Siemens und anderen an Fragen nicht zum Beispiel an der Skalierbarkeit auf große Gebiete oder an Fragen der Datensicherheit. Die Umsetzung der DSL-Alternative DVB-T liegt auf Eis. Dr. Karl Jonas, Leiter der FOKUS Abteilung Network Research am Forschungsstandort Sankt Augustin, erklärte gegenüber dslalternative.de zum Stand der Forschungsarbeiten: "Nachdem sich die Deutsche Telekom, respektive T-Systems, mit dem Verkauf der MediaBroadcast an TDF aus dem Geschäft zurückgezogen hat, wurden diese Arbeiten nicht fortgeführt." Im Klartext: Aktuell wird für den ländlichen Raum nicht an einer DSL-Alternative über DVB-T gearbeitet. Zwar werde, so Dr. Jonas, der damalige Ansatz gerade wieder in den Mittelpunkt der Forschung gestellt. Dabei gehe es aber um eine "internetbasierte Übertragung von Broadcast-Diensten sowie für die Signalisierung" im Rahmen der FOKUS-Forschung zu Netzwerken in Entwicklungsländern.

DVB-T Internet als DSL-Alternative im ländlichen Raum in Deutschland wäre allerdings eine durchaus kostengünstige Variante. Denn der Aufbau einer Infrastruktur wäre nach Ansicht von FOKUS günstiger und schneller zu realisieren als eine DSL-Alternative über Mobilfunkangebote, da die vorhandenen Sender für die Technik ausreichend sind. Bei der Übertragung könnten die Daten in MPEG-kompatible DVB-T-Pakete umwandelt werden. Diese werden vom Sender und Empfänger transportiert und dort über eine Set-Top-Box wieder entpackt. Von der Box aus gelangen die Daten über ein LAN oder WLAN auf den Computer des Nutzers. Das MPEG-Format wird auch für die Übertragung von Videodateien genutzt und ist einer der Datenstandards im Internet.

Die DSL-Alternative DVB-T wäre nur für den ländlichen Raum sinnvoll, da in den Städten mehr Programme ins Netz eingespeist werden und somit die Kapazitäten der Sender schnell eng werden. Vielleicht ist das der Grund, warum aktuell kein Anbieter den Ansatz ernsthaft umsetzen zu wollen scheint. Auch sind beim Forschungsprojekt von FOKUS Fragen der Datensicherheit offen geblieben. Derzeit gibt es zwar bereits Angebote, die eine Art DSL-Alternative über DVB-T sind. Allerdings werden dabei bislang nur Radio- und Fernsehprogramme mit einem besonders ausgestatteten Surfstick ins Internet übertragen. Dies zeigt aber, dass andere Anwendungen möglich sind und zukünftig realisiert werden könnten.